Dämmstoffe

Diskrepanz zwischen realen Messwerten und Normwerten

Dämmstoffe: Das Ausstellungsmodell kurz erklärt

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Ökologische Dämmstoffe verringern in der Praxis den Wärmeverlust effektiver als konventionelle Dämmstoffe. Warum haben sie trotzdem rechnerisch schlechtere Normwerte?

Die physikalische Dämmleistung eines Baustoffes setzt sich aus zwei Faktoren zusammen:

  1. Die eingeschlossene Luft: Sie ist es, die den eigentlichen Wärmetransport reduziert. Wichtig hierbei, die Luftporen müssen möglichst abgeschlossen sein. Luftbewegungen innerhalb oder durch den Dämmstoff (Konvektion) mindern die Dämmleistung.
  2. Das die Poren umschließende Material: Hierüber wird Wärme abtransportiert, was die Dämmleistung mindert. Eine hohe Dichte bzw. Masse verringert Wärmeverluste ebenso wie schlechte Wärmeleitfähigkeit.

Die Dämmleistung ergibt sich durch das Zusammenspiel beider Faktoren: Bei Polysterol beispielsweise sind die vielen abgeschlossenen Poren gut – noch besser sind Kügelchen, die vakuumisiert sind. Das umgebende Material ist aber sehr leicht. Bei faserigen Dämmstoffen sind die Poren weniger ideal. Hier kommt es auf die spezifischen Eigenschaften des umgebenden Materials an.

Organisches Material wie Holz oder Zellulose schneiden hier besser als mineralische Stoffe ab. Ihre Fasern verfügen über eingeschlossene Luftkammern, die die Wärmedämmung unterstützen.

Warum haben konventionelle Dämmstoffe dann bessere Normwerte und warum ist das trügerisch?

Schaut man in die maßgebliche DIN 4108, weisen konventionelle Dämmstoffe bessere Lambda-Werte auf, sind also scheinbar besser – auch wenn das Praxisbeispiel in der Ausstellung etwas anderes zeigt.

Mit dem Lambda-Wert wird die Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes ausgedrückt, um eine Vergleichbarkeit zu erreichen – je niedriger, desto besser. Per Definition beschreibt er als standardisiertes Maß die Wärmemenge, die in einer Sekunde durch ein bestimmtes Material mit 1 Quadratmeter Fläche und 1 Meter Dicke hindurchfließt.

Beim Vergleich der Lambda-Werte sollten zwei Faktoren im Hinterkopf behalten werden:

  1. Baustoffhersteller ermitteln in standardisierten Laborversuchen den Lambda-Wert, der dann von staatlich anerkannten Instituten regelmäßig überprüft wird. Bei der Laborprüfung  werden jedoch Faktoren nicht berücksichtigt, die sich in der Praxis negativ auf das spezifische  Dämmverhalten auswirken. Ein Beispiel ist Konvektion – also Luftbewegungen innerhalb des Dämmstoffes und durch ihn hindurch –, die in der Praxis zu erheblichen Wärmeverlusten führt.
  2. Der Lambda-Wert gemäß DIN 4108-4 ist ein Rechenwert. Er wird also rechnerisch ermittelt. Dabei werden für ökologische Dämmstoffe Zuschläge eingerechnet, die den Lambda-Wert erhöhen. Beispiel Holzfaserdämmplatten: Als Dämmstoff, der Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen (und abgeben kann), gilt ein Zuschlag von 5%, der sich auf dem generellen Zuschlag von 3% und einem Feuchtezuschlag von 2% zusammensetzen. Positive Zusammenhänge von ökologischen Dämmstoffen und zum Beispiel der Konvektion schlagen sich jedoch nicht in Korrekturwerten nieder. Warum eigentlich nicht...?

Was bedeutet das für Praxis?

Der Lambda-Wert ist die Grundlage für die Berechnung des U-Werts, der den (theoretischen) Wärmedurchgang eines konkreten Bauteils beschreibt – beispielsweise einer Wand oder eines Daches. Für das Gebäudeenenergiegesetz (GEG) ist der U-Wert eine wichtige Größe, für die sie Grenzwerte festschreibt. Die Einhaltung dieser Werte kann besonders bei der Finanzierung mit KfW-Mitteln oder dem Verkauf der Immobilie relevant sein.

Ein „schlechter“ Lambda-Wert führt also zu einem schlechteren U-Wert. Dies muss – vorausgesetzt man möchte oder muss die festgeschriebenen Grenzwerte einhalten – durch eine größere Materialstärke kompensiert werden. Die Konstruktion wird dicker, was wiederum zulasten der Innenraumgröße gehen kann oder andere baukonstruktive Probleme aufwirft und sich preislich niederschlägt.

Dennoch lohnt sich der Einsatz von nachwachsenden Dämmstoffen: Die reale Dämmleistung übertrifft die rechnerischen Werte. Dadurch geht effektiv noch weniger Wärme verloren und die nutzungsbasierte Ökobilanz fällt positiv aus. Dies wird ergänzt durch eine bessere Ökobilanz bei der Herstellung der Baustoffe sowie einem möglichen Recycling am Ende der Lebensdauer des Gebäudes.

Gute Argumente für den Einsatz ökologischer Baustoffe in der Gebäudedämmung

  • Zellulose ist ein Recyclingprodukt aus Altpapier – also schlussendlich wiederverwendetes Holz. Es werden keine neuen Ressourcen verbraucht. Auch für die Herstellung wird nur wenig Energie benötigt. 
  • Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Kork und Naturfasern sind nahezu unendlich verfügbar. 
  • Sie nutzt für ihr Wachstum frei verfügbare Ressourcen wie Solarenergie.
  • Darüber hinaus binden beispielsweise Holz und Kork beim Wachstum CO2 aus der Atmosphäre und sind damit klimaneutral.
  • Nachwachsende Rohstoffe wie Holz aus heimischer Produktion haben kurze Lieferwege.
  • Baustoffe, für die die Rohstoffe möglichst wenig weiterbearbeitet werden müssen, weisen eine sehr gute Umweltbilanz in der Herstellung auf.
  • Zudem lassen sich Baustoffe mit einem geringen Verarbeitungsgrad nach dem Ende der Lebensdauer des Gebäudes einfach ausbauen und recyceln.

Konkrete Argumente für den Einsatz von Dämmstoffen aus organischen Rohstoffen

  • Durch den geringeren Herstellungsaufwand und die gute CO2-Bilanz des Ausgangsprodukts sowie die hohe Wirksamkeit der Dämmung sparen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen oder Zellulose mehr CO2 ein, als sie bei der Herstellung aufgewendet wird. Sie sind also schnell CO2-positiv.
  • Durch die effektivere Dämmleistung wird mehr Heizenergie eingespart.
  • Die Energieeinsparungen kompensieren höhere Baukosten perspektivisch.

Forderungen für ökologische Dämmstoffe

  • Förderprogramme zur stärkeren Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Kostennachteile von regenerativen Baustoffen gegenüber konventionellen Baustoffen, die ökologische Kosten externalisieren können, würden ausgeglichen.
  • Nachteile der Berechnungsverfahren bzw. Modellkonstellationen in Prüflaboren von regenerativen Baustoffe müssen korrigiert oder kompensiert werden (z. B. Lambda-Werte), um nachwachsende Rohstoffe nicht zu benachteiligen.

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